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Das Düsseldorfer Radschläger-Brauchtum

Salto seitwärts für "eene Penning" / Seit dem Mittelalter lebendig: Betteln mit Schwung

"Eene Penning", so bettelten Düsseldorfer Knaben in den Urzeiten des Radschlägertums. Im Radschlägerlied des Heimatdichters Hans Müller-Schlösser aus den zwanziger Jahren sind schon "zwei Pfenning" daraus geworden, und heute muss es wohl schon ein Groschen sein. Das Radschlagen, der schwungvolle Salto seitwärts mit dem Abrollen über Hände und Füße, ist als artistische Übung sicherlich international bekannt, wird als typisches Brauchtum aber nur in Düsseldorf gepflegt. Der Radschläger, ob als Brunnenfigur in Bronze oder Souvenir aus Marzipan, ist fast ein Düsseldorfer Wahrzeichen. Und heute gibt es auch Radschlägerinnen: Auch Mädchen nehmen seit 1971 am alljährlich im Sommer auf der Königsallee stattfindenden Radschläger-Wettbewerb teil.

Fraglich ist wohl, ob auf der berühmten Düsseldorfer Fürstenhochzeit von 1585 zu allen offiziellen Schaustellungen auch das Radschlagen zählte, aber auf dem Markt und in den Gassen dürfte es schon eine übliche Darbietung des Fahrenden Volkes, der Artisten und Gaukler gewesen sein, Belustigung und Bettelei zugleich. Als Legende ist überliefert, ein hilfreicher Radschläger sei einmal nach einer Reifenpanne als lebendes Rad an der Achse der Kutsche des Kurfürsten Jan Wellem herumgewirbelt. Bald galt allgemein das Radschlagen als Symptom der Tollheit. In Düsseldorf aber wurde daraus ein Brauchtum der Knirpse. Im 19. Jahrhundert, als das Industrieproletariat rasch wuchs, andererseits aber große Ausstellungen, Vorläufer der heutigen Messen, reiche Reisende in die Stadt lockten, ist die Salto-Bettelei sicher bei der Jugend als einträgliche Einnahmequelle entdeckt und vom wohlwollenden Bürgertum gleichsam augenzwinkernd als lokalpatriotische Symbolhandlung eingebürgert worden. Als jedenfalls 1945 das im Krieg evakuierte Jan-Wellem-Denkmal festlich heimgeholt wurde, begleiteten neben Fackeln und Fanfaren auch radschlagende Knaben den Festzug.

Ein Denkmal setzte der Heimatverein Düsseldorfer Jonges diesem Brauchtum 1954 mit dem Radschlägerbrunnen auf dem Burgplatz. Die Inschrift von Hans Müller-Schlösser lautet: "Radschläger wolle mer blieve, wie jeck et de Minsche och drieve." Das im Mittelalter noch als verrückt geltende Treiben hat sich damit gemausert zur trotzigen Düsseldorfer Alternative gegen alle sonstigen Verrücktheiten der Welt. Lokalpatriotischer Stolz spricht auch aus Müller-Schlössers Radschlägerlied von 1925: "Radschläger werden wir genannt; im ganzen Land sind wir bekannt; wir sind ne Spezialität, die ihre Kunst versteht."

Übrigens gibt es seit 1981 sogar in Düsseldorfs englischer Partnerstadt Reading ein Radschlägerdenkmal. Lebendig geblieben bis heute ist das Brauchtum vor allem durch den Heimatverein Alde Düsseldorfer, der seit Anfang der dreißiger Jahre Radschläger-Wettbewerbe veranstaltet, seit 1971 zusammen mit der Stadt-Sparkasse: Über hundert Jungen und Mädchen nehmen im Sommer auf der Königsallee daran teil. Und, auch das typisch Düsseldorf, unter den Siegern in den vergangenen Jahren waren auch kleine Japaner, Sprösslinge der hier ansässigen japanischen Gemeinde.

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9. Februar 2010 | 04:02 Uhr

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