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Die Historie der Königsallee (1)

Mit Pferdeäpfeln und Gepfeife gegen den König?

Was geschah auf der "Kö" am 14. August 1848? Stadtarchivleiter Professor Clemens von Looz-Corswarem blickt zurück.

Aus der Düsseldorfer Stadtgeschichte wissen wir, dass die Königsallee, die berühmteste Straße der Stadt, ihren Namen einer Entschuldigung des Magistrats gegenüber König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen verdankt. Im März 1851 begab sich eine Delegation des Rates unter Bürgermeister Ludwig Hammers mit dem Kommerzienrat und Bankier Gerhard Baum und dem Architekten und Ratsmitglied Anton Schnitzler nach Berlin, wo sie am 19. März vom König im Schloss Charlottenburg empfangen wurden. Der traditionellen Überlieferung nach haben sie bei dieser Gelegenheit dem König als kleinen Akt der Wiedergutmachung angeboten, die Kastanienallee in Königsallee umzubenennen, was der König gnädigst zu genehmigen geruht habe.

Warum aber war es nötig, den König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen wieder gnädig zu stimmen? Was war geschehen, was die Stadt Düsseldorf beim Königshaus so sehr in Verruf gebracht hatte? Es waren unruhige Zeit, die Jahre um 1848. In Folge der blutigen Revolution vom Februar 1848 in Frankreich, in der die republikanische Partei über die Juli-Regierung gesiegt hatte, forderten auch in Deutschland große Teile der Bevölkerung Presse- und Versammlungsfreiheit sowie Volksbewaffnung. Auch in Düsseldorf fanden sich Bürger zusammen, die den König in einer "Adresse" beziehungsweise "Petition" baten, Pressefreiheit zu gewähren und die Zensurgesetze zu beseitigen. Gleichzeitig ging es den unteren Bevölkerungsschichten, vor allem den Handwerkern, Gesellen, Gelegenheitsarbeitern, aber auch Intellektuellen und Künstlern um Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse und soziale Gerechtigkeit. Zur Sicherung gegen Unruhen wurde am 18. März 1848 im Stadtrat eine Bürgergarde beschlossen, deren "Chef" der Demokrat Laurentz Cantador wurde.

Ebenfalls im Frühjahr 1848 traten in ganz Deutschland, darunter auch in Düsseldorf, liberale und demokratische Politiker zusammen, um eine Deutsche Nationalversammlung vorzubereiten, die dann im Juni 1848 in Frankfurt zusammentreten sollte. Man hoffte auf eine Deutsche Einheit und so trug die Versammlung aus allen deutschen Staaten dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Deutsche Kaiserkrone an, der damit der erste konstitutionelle Kaiser Deutschlands geworden wäre. Für den 6. August 1848 war ein großes Einheitsfest angesetzt, bei dem es auch zu einer Verbrüderung von Bürgerschaft und Militär kommen sollte. In Düsseldorf errichteten die Künstler der Akademie auf dem Friedrichplatz (dem heutigen Grabbe-Platz) eine "kolossale" Germania-Statue. Da die Einheitsbewegung als antipreußische Demonstration angesehen wurde, durften sich die Soldaten der Düsseldorfer Garnison nicht am Einheitsfest beteiligen. In diese aufgeheizte Stimmung fiel der Besuch König Friedrich Wilhelms IV. in Düsseldorf. Der preußische König wollte auf dem Weg zur Kölner Domfeier am 14. August 1848 den in Düsseldorf im Schloss Jägerhof residierenden Prinzen Friedrich von Hohenzollern, seinen Vetter und Schwager, besuchen.

Im Stadtrat gab es heftige Diskussionen, ob man den König, der sich ja gegen die demokratische Bewegung gestellt hatte, am Bahnhof begrüßen sollte oder nicht. Zunächst stimmte man gegen eine Teilnahme. Auch in der Bürgergarde war die Meinung gespalten. Schließlich hat man sich doch mehrheitlich zur Begüßung des Königs am Bahnhof der Köln-Mindener Eisenbahn (heute Graf-Adolf-Platz) entschlossen. Der Weg vom festlich geschmückten Köln-Mindener Bahnhof zum Schloss Jägerhof, den der König mit Prinz Friedrich und seiner Begleitung sowie den Honorationen in offenen Kutschen am frühen Nachmittag des 14. August 1848 zurücklegten, führte über die Kastanienallee. Hier standen die Menschen dicht an dicht und jubelten dem König zu. Sie waren aus der ganzen Umgebung zusammen geströmt, seit dem Morgen waren sie mit der Eisenbahn, mit dem Schiff oder zu Fuß gekommen. Aber nicht alle jubelten, es gab auch Gruppen darunter, die buhten, schrieen und pfiffen. Besonders Gruppen von Jugendlichen verliehen ihrem Protest durch Gegröle und den Gebrauch von Trillerpfeifen Ausdruck.
Albert Küster schreibt 1906 in seinen Erinnerungen:

"Mit Pfeifen und Brüllen wurde der König von einer großen Menge begrüßt, auf der Kastanienallee wurde er und der neben ihm sitzende Prinz Friedrich von einem Buben, der an den Wagen heransprang, sogar mit Kot beworfen. Mein Vater und ich standen in der Nähe, so daß die Einzelheiten trotz der dicht gedrängten Menge, in welche der Junge verschwand, uns nicht entgingen. Prinz Friedrich erhob sich im Wagen und entfernte von dem Anzuge des Königs den darauf haftenden Schmutz. Der empörende Auftritt erregte bei jedem ordentlichen Menschen, selbst den republikanisch gesinnten, den gerechtesten Abscheu."

Die Kutsche fuhr schneller und brachte den König zum Schloss Jägerhof, wo er von der Generalität empfangen wurde. Hier gab es dann ein Diner, an dem auch Honoratioren der Regierung und der Stadt teilnahmen. Gegen halb 6 Uhr setzte der König seine Reise nach Köln mit dem Sonderzug fort. Schnell verbreitete sich die Nachricht, der König sei ausgebuht und von einem Pferdeapfel getroffen worden, in der Stadt. Vor allem die Soldaten der preußischen Garnison empfanden dies als persönlichen Affront und gingen mit gezücktem Säbel gegen Düsseldorfer Bürger vor. Eine Bürgerwehrpatrouille versuchte vergeblich zu schlichten, Bürger bewaffneten sich, das Gedränge wurde immer größer, schließlich fielen Schüsse. Die Bilanz der Auseinandersetzung, die bis in die Nacht dauerte waren vier Tote, darunter drei Soldaten und ein Bürger, sowie zahlreiche Verletzte.

Der Stadtrat verurteilte die Übergriffe der Soldaten, beschloss Maßregeln gegen die Unruhen und entschuldigte sich für die Exzesse sowohl beim preußischen König als auch bei Prinz Friedrich. Den Ruf "Hauptherd der Anarchie und Unordnung für die Rheinprovinz" zu sein, wurde die Stadt aber so schnell nicht wieder los, auch hatte der sehr beliebte und freigiebige Prinz Friedrich beschlossen, nicht mehr in Düsseldorf zu wohnen. Er verließ die Stadt unter Protest und zog sich nach Berlin zurück. Erst 1855 kam eine Versöhnung mit der Stadt Düsseldorf zustande. Ihrem Ruf als Unruheherd wurde die Stadt Düsseldorf wieder im Mai 1849 gerecht, als es zu regelrechten Straßenschlachten zwischen Bürgern und dem preußischen Militär kam. Diesmal griff die Staatsmacht jedoch so rigoros durch, dass aller Widerstand erstickt wurde. In den 50er Jahren arrangierte sich die Stadt Düsseldorf wieder mit seinem Herrscherhaus. Die 1851 benannte Königsallee ist ein Zeichen dafür.


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24. Mai 2012 | 10:57 Uhr

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