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Kinderzeichnungen - Klassische Moderne - Gegenwart

4. Februar bis 1. Juli: Stadtmuseum widmet der Sammlung von Julo Levin eine Sonderausstellung

Das Stadtmuseum besitzt eine einzigartige Sammlung von rund 2.000 Zeichnungen jüdischer Kinder. Die Arbeiten entstanden zum überwiegenden Teil im Unterricht des Malers Julo Levin (Mitglied des Jungen Rheinland, geb. 1901 in Stettin - ermordet 1943 in Auschwitz), der bis 1941 an verschiedenen jüdischen Schulen als Zeichenlehrer beschäftigt war, darunter von 1936 bis 1938 an der Jüdischen Volksschule in Düsseldorf.

Schulstunde in der Jüdischen Volksschule Düsseldorf, um 1936
Schulstunde in der Jüdischen Volksschule Düsseldorf, um 1936.

Unter dem Titel "Zeichnungen von Kindern und Künstlern" präsentiert das Stadtmuseum, Berger Allee 2, vom 4. Februar bis 1. Juli nun 100 dieser Kinderzeichnungen in ihrem zeitgeschichtlichen und kunsthistorischen Kontext mit Werken unter anderem von Otto Dix, George Grosz, Paul Klee, Fernand Léger, Max Pechstein und Pablo Picasso. Eine aktuelle Auseinandersetzung mit den Zeichnungen realisierte der Künstler und Vorsitzende des Künstlervereins Malkasten, Robert Hartmann, zusammen mit zwei Düsseldorfer Schülerinnen. Die Ausstellung erfolgt in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), in dessen Werkstätten seit September 2010 die gesamte Sammlung der Kinderzeichnungen kontinuierlich restauriert wird.

Rudi Straus: Maske, 1938
Rudi Straus: Maske, 1938.

Levins Motiv zur Anlage der Sammlung ist in der bereits vor dem Ersten Weltkrieg einsetzenden kunsttheoretischen und kunstpädagogischen Diskussion um "Kinderkunst" und kindliche Kreativität zu suchen. Vor seiner Deportation nach Auschwitz konnte Levin die Zeichnungen seiner Freundin Mieke Monjau - der Frau seines engen Freundes, des Malers Franz Monjau - übergeben, die die Zeichnungen über die letzten Jahre des Nationalsozialismus gerettet hat. Einen Teil der Sammlung hatte Levin bereits zuvor seinem Freund, dem Düsseldorfer Maler Carl Lauterbach, geschenkt. Ein kleines Konvolut nahm Levins Schwester Else bei ihrer Emigration nach England 1939 mit. Seit Anfang der 1980er- Jahre sind die Zeichnungen durch Ankauf und Schenkung in die Sammlungen des Stadtmuseums gelangt.

Die Wechselwirkung zwischen dem Schaffen von Künstlern und Kindern ist in der Kunstgeschichte bereits hinlänglich erforscht, ausgestellt und diskutiert. So hat auch das Team des Stadtmuseums 1988 eine Ausstellung erarbeitet, die mit einem biografischen Ansatz Fragen dieses künstlerischen Dialogs zwischen Julo Levin und seinen Schülerinnen und Schülern beantworten sollte.

Gert Wollheim: Der Mond (Herzmond), 1921
Gerd Wollheim: Der Mond, 1921.

Das aktuelle Kurtorenteam verfolgt einen anderen Ansatz. Seine Vorgehensweise ähnelt der des prozessualen künstlerischen Schaffens eines Werks. Damit ist auch die Auswahl des Co-Kurators begründet: Robert Hartmann verstärkt konzeptionell den Strang des Sehens und Malens als intuitiven kreativen Prozess. Er traf die Werkauswahl der hundert Zeichnungen aus dem Großkonvolut nach seinen eigenen qualitativen Kriterien und ordnete sie anthropologisch orientierten Themen zu. Gemeinsam wurden dann die Referenzobjekte der Klassischen Moderne und zeitgenössischen Kunst auf ihre basale emotionale Beziehung hin ausgelotet und ausgesucht. Zusammen mit den Zeichnungen der Kinder gehängt, setzen sie Akzente in dem Gespinst aus Formen und Farben, die der Beobachtung jener Gefühlswelt der Kinder entspringen, die für Klee beispielsweise so bedeutsam war.

Kinderzeichnungen jüdischer Kinder und Künstler: "Die Verschwörung", Henni Breslauer - "Fischer", Klaus Sonnenberg (beide Jahrgang 1927, 1938 in die USA emigriert)
Kinderzeichnungen jüdischer Kinder und Künstler: "Die Verschwörung", Henni Breslauer - "Fischer", Klaus Sonnenberg (beide Jahrgang 1927, 1938 in die USA emigriert).

Neben den 100 Kinderzeichnungen werden 27 Referenzwerke bildender Künstler (Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik, Objekte) aus den Sammlungsbeständen des Stadtmuseums und von Leihgebern präsentiert. Darüber hinaus können an Info-Stationen in der Ausstellung Informationen, Fotografien und Dokumente zu Levin, der Jüdischen Volksschule und den Biografien der jüdischen Kinder recherchiert werden. Die Biografien der Schulkinder zeigen exemplarisch Lebensläufe und Schicksale jüdischer Menschen in der NS-Zeit: von Emigration, Flucht, Ausweisung, den so genannten Kindertransporten nach England bis hin zu Deportation und Ermordung in den Konzentrations- und Vernichtungslagern.

(3. Februar 2012)


Hintergrund

Die Ausstellung erfolgt in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR). In den Werkstätten des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums in Brauweiler wird seit September 2010 die gesamte Sammlung der Kinderzeichnungen kontinuierlich restauriert. Ein Film zeigt Beispiele der restauratorischen Arbeit an den Objekten. Die Restaurierungsarbeiten sind ebenfalls an den Info-Stationen im Internet reherchierbar.

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Ein Neger aus Afrika s(t)eht hier breitbeinig da, Künstler unbekannt, 1936
Ein Neger aus Afrika s(t)eht hier breitbeinig da, Künstler unbekannt, 1936.

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24. Mai 2012 | 18:24 Uhr

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