"Tuborine" ist am Ziel

Tunnelbohrmaschine wird nun geborgen/Erste Etappe in weniger als sieben Monaten geschafft/Im April Start am Corneliusplatz
Nach 1.298 Metern und dem Einbau von 867 Ringen aus Beton-Tübbings ist die Tunnelbohrmaschine "Tuborine" am Montag, 20. September, im Zielschacht in der Kasernenstraße angekommen. Dazu hatten sich Tunnelpatin Astrid Elbers und die Verantwortlichen für den Bau der Wehrhahn-Linie vor Ort eingefunden. Die Fahrt der Maschine endete programmgemäß in dem mit 3.000 Kubikmetern Wasser gefüllten Schacht. Die Auffüllung mit Wasser war nötig, um auch auf der anderen Seite der Betonmauer im Schacht für den nötigen Gegendruck zu sorgen.

Das sich verfärbende Wasser in der Grube zeigt die Ankunft der Tunnelbohrmaschine an ihrem Ziel. Die Grube wird in den kommenden Tagen Schritt für Schritt leergepumpt und anschließend fährt die Spitze der Maschine in die Grube. Danach beginnt die Bergung des vorderen Teiles.
Viele interessierte Bürger hatten sich eingefunden als die Maschine dann am Montag um 11.11 Uhr die letzte Wand durchbrach. Zu sehen gab es allerdings, wie zuvor von den Ingenieuren angekündigt, nicht allzu viel. In der mit Wasser gefüllten Grube stiegen starke Blasen auf und in das Wasser drang Bentonit ein, das sich unter Druck vor dem Schneidrad befand. Die Verantwortlichen waren mit dem Ergebnis hoch zufrieden. Wie Benno Ferrière als verantwortlicher Projektleiter des bauausführenden Unternehmens Bilfinger Berger erläuterte, ist die letzte, am Ende nur noch weniger Zentimeter dicke Schicht der Schlitzwand programmgemäß durchstoßen worden. Auf der Fahrt über 29 Wochen ist es bei "Tuborine" auf ihrer Strecke nur zu einer Abweichung von drei Millimetern gekommen. "Ich bin stolz, dass alles so gut geklappt hat und ich die Patin für ein solches Projekt sein durfte. Für Düsseldorf war es sehr gut, hier eine solch tolle Mannschaft für diese Arbeiten zusammen gehabt zu haben." Mit diesen Worten gratulierte Tunnelpatin Astrid Elbers zum gelungenen Erreichen des Zieles der ersten Etappe.

Tunnelpatin Astrid Elbers gratulierte dem Tuborine-Team und den Ingenieuren zur gelungenen Tunnelfahrt. Viele Bürger waren zur Ankunft der Maschine in der Kasernenstraße erschienen.
Zeitplan um einen Monat unterschritten
In weniger als sieben Monaten hat die 65 Meter lange und 1.302 Tonnen schwere Maschine den Weg vom Startschacht in der Elisabethstraße bis zum Ziel geschafft. Der ursprüngliche Zeitplan wurde dabei um einen Monat unterschritten. Neben dem präzisen Funktionieren der Maschine und der guten Arbeit der Bedienmannschaft hat dazu die Beschaffenheit des Untergrundes wesentlich beigetragen, in dem keine unliebsamen Überraschungen, wie beispielsweise Findlinge, im Weg gelegen haben. Mit der Ankunft beginnen nun die Arbeiten zur Bergung der Maschine mit Hochdruck. Großer Vorteil: Noch vor Beginn des Weihnachtsgeschäftes können die Demontage abgeschlossen und die damit verbundenen aufwändigen Transporte erledigt werden. Auf ihrem Weg hat "Tuborine" etwa 80.000 Kubikmeter Erdreich abgebaut.

"Zaungäste" mit perfektem Blick in die Zielgrube in der Kasernenstraße.
Rund um den Zielschacht an der Kasernenstraße werden Fundamente für das so genannte "Litzenhubgerüst" errichtet. Mit seiner Hilfe werden die vorderen Teile der Maschine aus der Grube beborgen. Die Montage des Hubgerüstes erfolgt in der Zeit vom 4. bis 10. Oktober. Die Hauptarbeiten finden nachts statt. Dazu wird der Abschnitt der Kasernenstraße nachts für den Autoverkehr gesperrt, die Rheinbahn hat dann ohnehin Pause.
In der Zeit vom 11. bis 22. Oktober werden die vorderen Teile der Tunnelbohrmaschine gehoben und zum Corneliusplatz transportiert. Das 115 Tonnen schwere Schneidrad in einem Stück, der Schildmantel - im Wesentlich die ersten zehn Meter der Maschine - wird in große Teile zerlegt. Gearbeitet wird grundsätzlich in Nachtschichten. Alle Teile werden an der Oberfläche des Corneliusplatzes zwischengelagert und ab Januar 2011 im dortigen Startschacht wieder montiert. Das Hubgerüst wird in der Kasernenstraße vom 25. bis 31. Oktober zurückgebaut. Der Aushub der Bahnhöfe unter den Deckeln beginnt ab Januar 2011.

Blick in den zu diesem Zeitpunkt (31. August 2010) noch nicht mit Wasser gefüllten Zielschacht. Er hat eine Tiefe von 26 Metern. Die Maschine erreichte ihr Ziel durch die Wand rechts noch deutlich unterhalb der mächtigen Betonverstärkung.
Voraussichtlich im April 2011 beginnt die zweite Etappe
Voraussichtlich im April 2011 soll dann der der Tunnelvortrieb für den zweiten Abschnitt, für die Fachleute der "Ostast", beginnen. Die dann zu bauende Röhre hat eine Länge von 959 Metern mit 640 Ringen und reicht vom Corneliusplatz bis in Höhe der Wielandstraße, wo sie in die 255 Meter lange Rampe übergeht, über die die Trasse der Wehrhahn-Linie wieder an die Oberfläche geführt wird. Die Startbaugrube am Corneliusplatz ist mit einer Länge von 60 Metern deutlich kürzer als die Grube in Bilk. Bedingt dadurch, werden in der Grube zunächst nur die ersten Teile der Tunnelbohrmaschine vormontiert. In Etappen wird dann der Vortrieb begonnen und die fehlenden Nachläufer 2 und 3 folgen nachträglich.
Generalüberholung bis zum Neustart
Die drei Nachläufer werden vom Zielschacht durch den fertigen Tunnel zum Startschacht Bilk zurückgezogen. Dort werden sie in transportfähige Teile zerlegt und ab Januar 2011 zum Corneliusplatz gebracht. Die Tunnelbohrmaschine wird bis zur Neumontage generalüberholt. Dabei werden defekte Teile bzw. Teile wie Schneidwerkzeuge, die den zweiten Abschnitt nicht mehr in Gänze durchstehen würden, ausgetauscht. Diese Arbeiten werden im November und Dezember vorgenommen.
Technische Daten der Tuborine
| Durchmesser Schildmaschine: | 9,50 Meter |
| Länge Schildschwanz: | 9,50 Meter |
| Länge Nachläufer: | rund 55 Meter |
| Gewicht Schild inklusive Schneidrad: | 762 Tonnen |
| Gewicht Schneidrad: | 115 Tonnen |
| Gewicht Nachläufer: | 540 Tonnen |
| Antrieb: | elektrischer Ringantrieb, 11 Motoren mit einer Gesamtleistung von 1.210 kW |
| Nominale Vortriebskraft: | 56.033 kN (max. 60.344 kN) |
| Betriebsdruck der 28 Vortriebspressen: | 325 bar (maximal 350 bar) |
| Werkzeugbesatz: | 27 Doppeldisken 17", 172 Schälmesser, 16 Räumer |
| Förderleistung: | 1.600 m³/h (max. 2.000 m³/h), ca. 28 m Förderhöhe |
| Rohrleitung für Speise-/Förderleitung: | Durchmesser 400 mm, Gesamtlänge rund 5.600 Meter |
| Rohrleitung Kühlwasser/Druckluft: | Durchmesser 150 mm, Gesamtlänge 11.200 Meter |
| Aushub je Ring/Gesamtvolumen: | 110 Kubikmeter/167.000 Kubikmeter |
Zahlen und Fakten
| Benötigte Zahl von Tübbings: | 12.144 |
| Tübbingbreite: | 1,50 Meter |
| Tübbingdicke: | 0,45 Meter |
| Tübbinglänge: | 4,00 Meter |
| Gewicht eines Tübbings: | 6,5 Tonnen |
| Gewicht eines Ringes: | 46 Tonnen |
| Ringdurchmesser innen: | 8,30 Meter |
| Ringdurchmesser außen: | 9,20 Meter |
| Einschaliger Tübbingausbau - System 7 + 1 Schlussstein | |
| Gewicht Tübbing / Ring: | 6,5 / 46,2 Tonnen |
(20. September 2010)


